Kernenergie in Deutschland
Kernenergienutzung in Deutschland
08.11.2010 Energie-Zeitung.de hat Fakten zur Kernenergienutzung in Deutschland von der Webseite des BMWi zusammengestellt.
Wie lange brauchen wir noch Kernenergie? Ca. 50% der Grundlast werden durch Kernkraftwerke sichergestellt. Deutsche Kernkraftwerke zeichnen sich durch hohe Betriebsicherheit aus und liefern zudem CO2 armen Strom. Aber wohin mit dem atomaren Müll? Dieser fällt bekanntlich nicht nur in Kernkraftwerken sondern auch in der Forschung, Industrie und Medizin an. Die Endlagerfrage spaltet Deutschland. Das Schiff ist lange auf See nur die Häfen fehlen!
In Deutschland sind 17 Kernkraftwerke (KKW) mit einer Nettoleistung von 21.497 MWe (brutto) am Netz. Die deutschen Kernkraftwerke zählen zu den weltweit sichersten Anlagen. Dies wird bestätigt durch die geringe Zahl an Vorfällen und die hohen Verfügbarkeit der Anlagen.
Die Kernenergie leistet in Deutschland einen bedeutenden Beitrag im Energiemix. Aufgrund des begrenzten Zuwachses bei alternativen Verfahren zur Stromerzeugung und unzureichender Kapazitäten zur Stromspeicherung wird sie diese Rolle auch noch mindestens für das nächste Jahrzehnt einnehmen, ist auf der Webseite des BMWi zu lesen.
Zahlen: Kernenergie in Deutschland
- Anteil an allgemeiner Stromversorgung* rund 23 % im Jahr 2009
- Grundlaststromversorgungsanteil 48 % im Jahr 2009
- in 2008 durchschnittliche zeitliche Verfügbarkeit nahezu 80 %
- vermeidet jährlich ca. 100 - 150 Mio. Tonnen CO2 (dies entspricht etwa den jährlichen CO2-Emissionen des deutschen Straßenverkehrs)
- ist kostengünstig mit 2,65 Cent/kWh (Braunkohle 2,40 Cent/kWh, Steinkohle 3,35 Cent/kWh, Wasserkraft 4,3 Cent/kWh und Erdgas 4,90 Cent/kWh, Windenergie 9 Cent/ KWh, Fotovoltaik 54 Cent/ KWh)
* Grundlaststromversorgung ist die permanent benötigte Leistung im Stromversorgungssystem; diese kann wegen fehlender Speicherungsmöglichkeit nicht durch den Einsatz von Wind- oder Solarenergie ersetzt und abgedeckt werden.
Standorte der Kernkraftwerke in Deutschland
Quelle Webseite BMWi
Zahlen: Weltweit 30 Länder mit Kernenergienutzung
- Insgesamt 437 Kernkraftwerksblöcke mit Gesamtbruttoleistung von etwa 391 GW
- 52 Kernkraftwerksblöcke im Bau mit einer Gesamtleistung von 51 GW
- Anteil Kernenergie an der Stromerzeugung 2007 weltweit 14 %
- Weltweit wurden 2007 durch Kernenergie ca. 2,4 Mrd. t CO2eingespart, dies entspricht ca. 8 % der gesamten weltweiten Emission (ca. 30 Mrd. t CO2)
- Anteil Kernenergie 2008 an der Stromerzeugung in der Europäischen Union 31 % (145 Kernkraftwerke)
In der Europäischen Union wurde im Jahre 2004 in Finnland sowie im Jahre 2007 in Frankreich der Bau eines neuen Kernkraftwerkes vom Typ EPR (Europäischer Druckwasser-Reaktor) begonnen. Im Mai 2008 verkündete der italienische Industrieminister Claudio Scajola, dass Italien wieder in die Kernenergienutzung einsteigen und bis 2013 mit dem Bau mehrerer moderner Kernkraftwerke beginnen werde. Auch Großbritannien, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Polen und die Slowakische Republik planen den Neubau von Kernkraftwerken. Die ersten sollen im Jahr 2018 in Betrieb gehen.
In der Schweiz ist der Neubau von drei Kraftwerksblöcken beantragt.
Der international zu verzeichnende Ausbau der Kernenergie wird dadurch begünstigt, dass Kernenergiestrom preisgünstig, versorgungssicher und klimafreundlich ist. Dazu kommt, dass die neue Generation von Kernkraftwerken noch sicherer, d.h. selbst im Falle einer äußerst unwahrscheinlichen Kernschmelze technisch beherrschbar ist und denkbare Auswirkungen auf das Gebiet der kerntechnischen Anlage beschränkt bleiben.
Am 16. Oktober 2008 hat die OECD-Kernenergie-Agentur (NEA) ihren ersten Bericht "Nuclear Energy Outlook (NEO)" veröffentlicht. Die Prognose geht von einem weltweiten Boom der Nukleartechnologie aus und prognostiziert bis zum Jahr 2050 insgesamt mindestens 600 bis zu 1400 Reaktoren, die weltweit Strom liefern sollen. Aus Sicht der OECD/NEA wird diese internationale Entwicklung auch durch einen möglichen deutschen Ausstieg aus der Kernenergienutzung nicht beeinflusst. Eine Zusammenfassung des Berichtes ist in deutscher Sprache unter dem Link http://www.nea.fr/neo/ abrufbar.
Fakten: Verfügbarkeit von Kernbrennstoff
Uran steht als Energierohstoff noch für mehr als 200 Jahre zur Verfügung, insbesondere in Verbindung mit technologischen Weiterentwicklungen, die sich auf einen effizienteren Umgang mit Kernbrennstoffen konzentrieren. Uran wird derzeit überwiegend aus politisch stabilen Ländern importiert. Der Kernbrennstoff kann wegen seiner sehr hohen Energiedichte und der verhältnismäßig geringen Menge, die für die einzelnen Reaktoren benötigt wird, für viele Jahre gelagert werden. Und da Urananreicherung und Brennelementfertigung inländische Wertschöpfungsstufen sind, ist die Kernenergie praktisch eine heimische Energieform. Vorteilhaft ist auch, dass im Vergleich zu Preissteigerungen bei anderen Energieträgern sich Steigerungen des Uranpreises auf den Strompreis nur geringfügig auswirken, da bei der Erzeugung elektrischer Energie in Kernkraftwerken die Brennstoffkosten mit nur ca. 5 % in den Strompreis einfließen.
Endlagerung radioaktiver Abfälle
In Deutschland ist Schacht Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle genehmigt. Die Umrüstung zum Endlager wurde Ende 2007 begonnen. Die Inbetriebnahme wird frühestens 2019 erwartet.
Nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik haben die OECD/ NEA wie auch die IAEO bestätigt, dass die Endlagerung auch von insbesondere hochradioaktiven, Wärme entwickelnden Abfällen in tiefen geologischen Formationen bereits heute technisch sicher realisiert werden kann.
Die BGR hat 2007 einen Kurzbericht vorgelegt, in dem die Erkenntnisse zu den drei Wirtsgesteinen Steinsalz, Ton- und Kristallingestein zusammengefasst und die Vor- und Nachteile dieser Gesteine gegenübergestellt sind. Es zeigt sich, dass für Deutschland das Wirtsgestein Steinsalz wesentliche Vorteile für die Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen gegenüber den Wirtsgesteinen Tonstein und Kristallingestein aufweist. Unter der Homepage BGR sind auch weitere BGR-Berichte zu Steinsalz, zu Tongestein und zu Kristallingesteinen im pdf-Format abrufbar.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 haben sich die Koalitionspartner auf Folgendes verständigt:
"Eine verantwortungsvolle Nutzung der Kernenergie bedingt auch die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle. Wir werden deshalb das Moratorium zur Erkundung des Salzstocks Gorleben unverzüglich aufheben, um ergebnisoffen die Erkundungsarbeiten fortzusetzen. Wir wollen, dass eine International Peer Review Group begleitend prüft, ob Gorleben den neuesten internationalen Standards genügt. Der gesamte Prozess wird öffentlich und transparent gestaltet."
Die seit dem 1. Oktober 2000 unterbrochene Erkundung des Salzstockes Gorleben für die Endlagerung von insbesondere hochradioaktiven, Wärme entwickelnden Abfällen soll ab dem 1. Oktober 2010 ergebnisoffen fortgesetzt werden.
Zum 1. Juli 2010 hat BMU mit fachlicher Beteiligung des BMWi einen Verbund von FuE-Einrichtungen unter Leitung der GRS mit der Durchführung einer "Vorläufigen Sicherheitsanalyse für den Standort Gorleben" beauftragt. Unter wesentlicher Berücksichtigung der bis Ende 2010 vorhandenen FuE-Ergebnisse und Erkenntnisse soll geprüft werden, ob die aktuelle, vorläufige Eignungsaussage für den Standort Gorleben sachlich korrekt ist und den Stand von Wissenschaft und Technik in vollem Umfang berücksichtigt. Nach Abschluss der Analyse im Jahr 2012 sollen die Ergebnisse der OECD/NEA zu einem fachlichen Review übergeben werden. Der Review wird Hinweise für das weitere Procedere geben.
Eine endgültige Eignungsaussage kann aber erst nach Abschluss der untertägigen Erkundung und Auswertung der dabei gewonnenen Ergebnisse getroffen werden.
Endlagerforschung
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ist zuständig für Standort unabhängige, anwendungsorientierte Grundlagenforschung zur nuklearen Entsorgung vor allem unter dem Aspekt Sicherheit. Es fördert seit fast vier Jahrzehnten wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Gesteinsformationen sicher erfolgen kann und in Deutschland im Wirtsgestein Steinsalz realisierbar ist. Dabei wird das BMWi u. a. durch die nachgeordnete Behörde Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den Projektträger Karlsruhe für Wassertechnologie und Entsorgung (PTKA-WTE) im Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) unterstützt. Wichtige Zukunftsaufgabe für die Forschung ist die Absicherung vorliegender Erkenntnisse durch wissenschaftliche Untersuchungen am konkret festgelegten Endlagerstandort für hochradioaktive, Wärme entwickelnde Abfälle in Deutschland.
Im September 2008 ist eine im Auftrag des BMWi von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und dem Öko Institut (ÖI) erstellte Zusammenfassung der in den letzten 40 Jahren erarbeiteten relevanten Ergebnisse der Grundlagenforschung des Bundes zur "Endlagerung Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle in Deutschland" mit 22 Anhängen veröffentlicht worden. Der Hauptband und alle Anhänge sind auf der Berichtsseite des Projektträgers Karlsruhe abrufbar.
Der Hauptband gibt eine vollständige, kompakte Übersicht über alle wesentlichen Sicherheitsfragen der Endlagerthematik basierend auf dem gegenwärtig diskutierten Sicherheitskonzept und den erforderlichen Sicherheitsnachweisen unter Berücksichtigung der Errichtungs-, Betriebs- und Nachbetriebsphase für ein Endlager für Wärme entwickelnde, radioaktive Abfälle in Deutschland. Durch die Veröffentlichung mit den umfangreichen Anhängen liegt erstmalig eine Zusammenfassung des in Deutschland erreichten Standes von Wissenschaft und Technik zum Thema "Endlagerung" vor.
Die zwei wichtigsten Ergebnisse sind, dass ausschließlich die Isolation dieser Abfälle durch den Einschluss in einer tiefen geologischen Formation eine sichere Lösung darstellt und als einziger realisierbarer Entsorgungsweg in Frage kommt sowie der erforderliche Kenntnisstand für die Errichtung eines Endlagers im Steinsalz durch die in den vergangenen 40 Jahren in Deutschland geleistete Forschungstätigkeit vorhanden ist. Diese viel versprechenden Ergebnisse legen nahe, dass die Erkundung im Salzstock Gorleben ergebnisoffen fortgeführt werden sollte. Quelle BMWi
